IMAGO. Kunst.Pädagogik.Didaktik

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Malen lernen

Grundriss einer mimetischen Maldidaktik

Band 5, München 2019, 348 Seiten + Anhang (Download)
ISBN 978-3-86736-505-5
27,80 EUR
inkl. gesetzl. MWSt - ggfs. zzgl. Porto und Versand
 

Produktbeschreibung

„Mein gemalter Apfel ist greller als der echte dort…“

Wer im Blick auf Sichtbares malt – zum Beispiel ein Stillleben im Blick auf Obst – führt komplexe Teilhandlungen aus: Malende nehmen dabei die Farben der realen Anschauungsbezüge und der eigenen Farbpalette wahr. Sie stellen sich ein mögliches Farbkonzept für das eigene Gemälde vor und übersetzen dieses in die malerische Darstellung. Differenzen zwischen Dargestelltem und Wahrgenommenem nivellieren Malende durch malerisches Können. Erst durch dieses Können sind mimetische Darstellungsbedürfnisse demnach zu befriedigen – so dass ein gemalter Apfel sich zum Beispiel dem wahrgenommenen in der Farbqualität und Farbintensität anähnelt.

Malen ist damit nicht eine Handlung, sondern umfasst relationale Teilprozesse des Auswählens, Mischens und Auftragens von Farbe im Zusammenwirken von malerischer Wahrnehmung, Vorstellung und Darstellung. Wie genau diese Teilhandlungen beim mimetischen Malen lehr- und lernbares Wissen und Können darstellen, ist die leitende Frage vorliegender empirisch-hermeneutischer Analysen im Feld der kunstpädagogischen maldidaktischen Praxis.

Mit dieser Studie leistet die Autorin einen wichtigen, praktisch fundierten und anschlussfähigen Beitrag zur Entwicklung einer Maldidaktik, die sich gleichermaÃźen auf subjektbezogene wie sachbezogene Aspekte des Malprozesses richtet. Diese wird in das Gesamtfeld von Kunstdidaktik eingebunden dargestellt und es werden curriculare Bezüge aufgezeigt.
Eine besondere Stärke der Arbeit ist der konsequente Unterrichtsbezug, der die formulierten Erkenntnisse für Unterricht anwendbar aufbereitet und im Kontext von allgemeiner Kunstdidaktik und entwicklungspsychologischen Aspekten einbettet. Die Betonung des Problemfeldes der Farbe erscheint im Zuge der Entwicklung einer Maldidaktik logisch und notwendig. Die Studie bietet Anknüpfungspunkte für weiterführende Forschungen, die über den mimetischen Ansatz hinaus die Erzielung von Farbwirkungen und damit verbundene Form-Inhalt-Bezüge aufarbeiten könnten, um Spezifika und Potenziale der Malerei im Verhältnis zu anderen künstlerischen Ausdrucksformen weiter herauszuarbeiten.

Steffen Wachter, KUNST+UNTERRICHT 455 • 456 | 2021
 

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Vorüberlegungen


1.1 Forschungsfeld und Forschungsinteressen

1.2 Wie generiert sich didaktisches Wissen/Können?
1.2.1 Didaktik
1.2.2 Didaktisierung: Deduktion und Konstruktion
1.2.3 Didaktisierung in meiner Arbeit

1.3 Gliederung der Arbeit


Theorie I

2. Mimetische Maldidaktik als systematisches Problem


2.1 Malen als „Sache“ der Maldidaktik – Systematische Bestimmungen
2.1.1 Bezugsfeld A: Technologisches und handwerkliches Malwissen
2.1.2 Bezugsfeld B: Gestalterisches Malwissen
2.1.3 Bezugsfeld C: Rhetorisch-wirkungsbezogenes Malwissen
2.1.4 Bezugsfeld D: Theoretisches Farbwissen
2.1.5 Bezugsfelder A, B, C, D im relationalen Zusammenwirken

2.2 Der wahrnehmende und vorstellende lernende Mensch –
Anthropologische Basisbestimmungen der Maldidaktik
2.2.1 Grundbegriffe einer anthropologisch bestimmten Maldidaktik

2.3 Malen als Bildungsaufgabe – Bildungstheoretische Bestimmung
2.3.1 Bildung und Malen
2.3.2 Kunstunterricht und Malen


Theorie II

3. Historische Entwicklungslinien der Maldidaktik


3.1. Historisch-hermeneutische Analyse
3.1.1 Interpretationshorizont
3.1.2 Zusammenfassung der Analysen

3.2 Interpretation
3.2.1 Systematisierung


Empirie I

4. Modell einer relationalen, mimetischen Maldidaktik


4.1 Prämissen

4.2 Transfer: Resonanzräume des Malens
4.2.1 Ãśber Farbe sprechen und darauf zeigen
4.2.2 Fokussierung auf eine Farbe: Zerlegendes Sehen
4.2.3 Wahrnehmungsfeld erweitern: Bildsehen
4.2.4 Vergleichendes Sehen
4.2.5 Umgang mit visueller Irritation
4.2.6 Synthese: Ãśbersetzen der Wahrnehmung in Darstellung
4.2.7 Farbimagination vergegenwärtigen und reflektieren

4.3 Didaktische Konsequenz: Modell

4.4 Forschungsfrage und leitende Thesen


Empirie II

5. Mimetische Maldidaktik in der Anwendung und Forschung


5.1 Experimentell-didaktisches Forschungskonzept
5.1.1 Forschungsmethodik
5.1.2 Forschungskontext

5.2 Datenaufbereitung
5.2.1 Ãśbergeordneter Kriterienkatalog
5.2.2 Hilfsmittel und Unterrichtsverlauf
5.2.3 Prozesse im Längsschnitt: Fokussierung von zwei Lernenden
5.2.4 Exemplarische Quer- und Längsschnitte innerhalb der Klasse

5.3. Auswertung und Interpretation der Daten
5.3.1 Grundlegendes Lernverständnis
5.3.2 Malerische Darstellungsformeln verstehen
5.3.3 Imagination und Handwerk bilden
5.3.4 Darstellungsformeln modifizieren


Schlussfolgerung

6. Maldidaktik in einer systematisch begründeten Kunstpädagogik


6.1 Theoretische Grundlagen
6.1.1 Maldidaktik im Feld der Kunstdidaktik
6.1.2 Malen im curricularen Gesamtgang

6.2 Praktische Anwendung
6.2.1 Malaufgaben planen
6.2.2 Malaufgaben durchführen

6.3 Ausblick und Desiderate
6.3.1 Spezifisch maldidaktische Anknüpfungsmöglichkeiten und Desiderate
6.3.2 Allgemein kunstpädagogische Anknüpfungsmöglichkeiten
und Desiderate


Anhang

7. Anhang (z.T. als Download verfügbar; siehe Ãśbersicht)


7.1 Malpraktische Könnens-Strukturen an kunstgeschichtlichen Beispielen
7.1.1 Peter Paul Rubens‘ elaboriertes Malen-Können
7.1.2 Der generische Aufbau des malerischen Könnens von Pablo Picasso

7.2 Analyse exemplarischer maldidaktischer Ansätze

7.3 Datenmaterial
7.3.1 Ãśbersicht Unterrichtsverlauf
7.3.2 Klassenübersicht – Produkte
7.3.3 Befragungen und Gespräche
7.3.4 Exemplarische Bildaufbereitungen
(Quer-/Längsschnitte einzelner Lernenden)


Literatur

Register