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Heimat: Landschaft in Kinder- und Jugendliteratur

kjl&m 08.4 | forschung.schule.bibliothek

München 2008 (Mitte November), 96 Seiten
11,00 EUR
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Produktbeschreibung

Editorial

Wie ein bunter Teppich liegen Felder, Seen und Gehöfte dem kleinen Nils Holgersson zu FüÃźen, als er mit den Wildgänsen in den hohen Norden zieht. Der Kinderbuchklassiker, der ursprünglich aus dem Auftrag, ein Heimatkundebuch zu erstellen, erwuchs, wurde von Selma Lagerlöf märchenhaft entworfen. Seit Generationen führt er kindliche LeserInnen im phantastischen Flug über die skandinavische Landschaft. Den schwedischen Kindern erlaubt diese Lese-Vogelperspektive einen Blick auf ihre Heimat und ihre Landschaft zu werfen; doch auch für alle anderen Lese-Reisenden bedeutet dieses märchenhafte Abenteuer eine eindrückliche Fahrt in eine literarische Landschaft.
Heimat und Landschaft sind jeder Literatur eingeschrieben. Manche findet man auf der Karte verzeichnet, manche sind der Sprache einverleibt, manche in Bildern zu entdecken oder in Leerstellen zu erahnen, andere Heimaten wurden verloren oder aber auch neu entdeckt. Zugleich erschafft Literatur wiederum selbst Heimat(en) und Landschaften. Das vorliegende Heft versucht verschiedene Perspektiven einzunehmen, unterschiedliche Facetten dieser komplexen Begriffe deutlich zu machen und versteht sich als Reiseführer auf der Suche nach literarischen Kindheitsorten.
Der einführende Beitrag von Verena Rutschmann nähert sich historisch-kulturwissenschaftlich dem Begriff Heimat. Rutschmann widmet sich nicht allein Johanna Spyris Heidi, sondern spannt den Bogen der Betrachtung über Bearbeitungen dieses Stoffs bis in die heutige Zeit und zu aktuellen Titeln schweizerischer Kinderliteratur. Der bedeutsame Aspekt der Identität- und Sinnstiftung, der eng mit dieser Thematik verwoben ist, wird hier hervorgehoben. Emer O’Sullivan knüpft mit ihrer Betrachtung über Sprach-Heimaten bei dieser Identitätsfrage und -problematik an. Sie weist auf Leerstellen und Verluste hin, die durch das Verlassen von Sprach-Räumen und Sprach-Heimaten entstehen, und zeigt eindrücklich an kinderliterarischen Texten sowie autobiographischen Kindheitserinnerungen, was es bedeutet, wenn Sprache woanders wohnt. Auch Jana Mikotas Beitrag fokussiert verlorene Heimaten, Exil-Landschaften: Lisa Tetzners Kinderodyssee Die Kinder aus Nr. 67 steht hier im Mittelpunkt. In den Norden Europas führt Svenja Blume, die das Heimat-Verständnis vor dem Hintergrund dieses Kulturraumes anschaulich macht. Annette Kliewer zeigt an dem Werk des elsässischen Künstlers Tomi Ungerer die enge Verzahnung zwischen Kulturlandschaft und Kultur-Heimat und erläutert ihre grenzüberschreitende Herangehensweise in einem Unterrichtsentwurf. Einen Tapetenspaziergang unternimmt Franz Lettner durch die österreichische Kinder-Literatur-Landschaft und eigene Kindheitslektüre-Heimat. Der Beitrag über den Künstler Peter Sis erschlieÃźt dessen Werk als Verbildlichungen autobiographischer Heimat- und Landschafts-Erinnerung (Caroline Roeder). Den Abschluss bildet eine Spielzeuglandschaft, die von Kindern einer Favela erbaut wurde. Katrin Wexberg berichtet von dieser Welt, wo Kindheit (fast) keine Heimat hat. Im Spektrum schlieÃźlich blickt man auf das Bildgestöber von Wimmelbüchern, hört von einer Geschichtenerzählwerkstatt und erfährt seltsame Geschehnisse einer Editionsgeschichte. Und man vernimmt ein letztes Bellen, das von der eingestellten Kinderzeitschrift Der bunte Hund zu vernehmen ist.
Caroline Roeder
 

Inhaltsverzeichnis

Editorial


Thema: Heimat: Landschaft in Kinder- und Jugendliteratur

Verena Rutschmann
„Das ganze Bett war angefüllt mit Heimweh“. Bilder von Heimat in der Kinderliteratur der deutschen Schweiz BiB

Emer O’Sullivan
Meine Sprache wohnt woanders Sprache als Heimat in Kinderliteratur und Kindheitsautobiographien BiB

Svenja Blume
Zu Hause am Ende der Welt. Skandinavische Heimaten in der Kinder- und Jugendliteratur BiB

Annette Kliewer
Von Heimatliebe und Kosmopolitismus: Der elsässische Autor und Zeichner Tomi Ungerer. Ein Unterrichtsvorschlag

Franz Lettner
Von der Kleeblattgasse bis zum Mödlinger Horizont. Eine Tapetenreise

Caroline Roeder
Memory Map – Kindheits Kartographie im Werk von Peter Sis BiB

Jana Mikota
Exil-Landschaften: Der Blick kindlicher ProtagonistInnen zurück auf die Heimat BiB

Kathrin Wexberg
TV Morrinho. Fernsehen aus der Favela?


Spektrum

Mareile Oetken
Bildgestöber. Wimmelbilderbücher erzählen sich selbst Mareile Oetken
Bildgestöber. Wimmelbilderbücher erzählen sich selbst BiB

Iris Kruse
„Der Bunte Hund“ – Ein Nachruf

Susanne Brandt
Kinder erzählen „wie am Schnürchen“. Die Bibliothek als Geschichtenwerkstatt BiB

Reiner Neubert
Geplänkel um einen Klassiker der KJL zur „Wendezeit“ - Nachtrag zum Film „Die rote Zora und ihre Bande“


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