Pädagogik

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Ankommen

Über die Lust an der narrativen Vermittlung von Sprache und Kultur

München 2019, 128 Seiten
ISBN 978-3-86736-526-0
14,80 EUR
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Produktbeschreibung

In dieser Studie wird überzeugend dargestellt, inwiefern sich das freie Erzählen traditioneller Geschichten als effektives Verfahren der Vermittlung von Sprache und Kultur im Rahmen der integrativen Bildungsarbeit mit Geflüchteten am Beispiel sog. Willkommensklassen erweist. Erzählen ermöglicht die Verständigung jenseits der gesprochenen Sprache. Über das Wort hinaus erschließt die Körpersprache der Erzählenden Bedeutungen und Sinnzusammenhänge. Erzählen als implizite Form der Sprachvermittlung ist mit Spannung, Entdeckerfreude und Neugier verbunden. Gleichzeitig weckt das Erzählen traditioneller Geschichten positive Erinnerungen der Geflüchteten an Formen des öffentlichen und familiären Erzählens, die zu einem selbstverständlichen Bestandteil ihrer Alltagskultur gehörten, insbesondere in den arabischen und afrikanischen Ländern. Die Lust am hochkonzentrierten Lauschen und die Erinnerungen an vergessen geglaubte narrative Schätze sind das Fundament, aus dem sich die Motivation speist, die deutsche Sprache zu erlernen und sie aktiv zu gebrauchen.
Die Publikation führt in die Praxis des performativen Erzählens ein und präsentiert kurze Märchen, Schwänke und Weisheitsgeschichten, die geflüchtete Kinder und Jugendliche aus ihrer Erinnerung rekapitulierten.

Das mit zahlreichen Fotos der betroffenen Menschen und (Kinder-)Zeichnungen versehene und dadurch sehr persönlich wirkende Buch plädiert wirkungsvoll für das performative Geschichtenerzählen und wendet sich an alle Personen, die kulturell, pädagogisch und fachdidaktisch, etwa im Bereich Deutsch als Zweitsprache, tätig sind.
Kurt Franz, Märchenspiegel 2/2020

Aber nicht nur die Forschung wird aus dem Buch Erkenntnisse ziehen können. Auch mit Blick auf eine innovative Unterrichtspraxis (vgl. dazu aktuell Conesa 2020) kann man das Buch mit großem Gewinn lesen: Das Fundament einer Didaktik des performativen Erzählens im Kontext des Zweitspracherwerbs ist mit Ankommen gelegt. Nun kann man darauf aufbauend einen nächsten Schritt gehen und konkrete Unterrichtseinheiten skizzieren, wie beispielsweise Maike Plath (z.B. 2011) dies mit ihren Praxismaterialien in den letzten Jahren erfolgreich demonstriert hat. In ähnlicher Weise könnten von der performativen Kunst des Erzählens wertvolle Impulse für die Unterrichtspraxis ausgehen. Auch wenn eine Lehrperson keine intensive Ausbildung in den performativen Künsten machen konnte, wird sie durch diese Publikation ermutigt, das Erzählen im Unterricht zu erproben und darauf hinzuwirken, dass es fest im Fremdsprachencurriculum verankert wird.
Maik Walter, Scenario 1/2020
 

Inhaltsverzeichnis

TEIL I

Vorspann

Erzählprojekte in Willkommensklassen

Zur Auswahl der Geschichten
- Übertragung schriftlicher Quellen in die Mündlichkeit
- Plotstrukturen des Märchens

Modalitäten der Verständigung
- Die Stimme
- Kommunikation über Körpersprache
- Beziehungen
- Sprache der Bilder

Zuhören als kreativer Prozess

Sprechen als lustvolle Herausforderung

Lehrerinnen und Lehrer als Mediatoren

Erzählen mit erwachsenen Geflüchteten und in Krisengebieten


TEIL II

Geflüchtete als Vermittler eines kulturellen Erbes

Der Akt des Erzählens oder: Kampf mit einer neuen Sprache

Die Geschichten der Kinder und Jugendlichen
- Geschichten mit Parallelen in alten schriftlichen Quellen
- Schwänke und Scherzgeschichten
- Weisheits- und Belehrungsgeschichten
- Märchen und märchenhaft-phantastische Geschichten
- Realitätsnahe und realistische Geschichten

Schluss