Zeitschrift merz | Einzelhefte

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Produktbeschreibung

Der Begriff 'Körperwelten' ist bekannt geworden durch die gleichnamige aufsehenerregende Ausstellung, die seit 1996 zunächst in Japan, danach in vielen Städten in Deutschland und im Ausland ( zur Zeit gerade in London) gezeigt wurde. Aufsehenerregend deshalb, weil die Reaktionen auf die Platinante von Begeisterung bis Ablehnung reichten. Die Ausstellung, das "Anatomische Theater der Modere"´, zeigt zum ersten Mal neuartuge ästhetische Einblicke in den menschlichen Körper, die Gunther von Hgens aufgrund einer neuen Methode der Konservierung und Präparierung (Plastination ) gelangen ( www.koerperwelten.com ).
Die Durchsichtigkeit, das Zeigen auf der einen und das Verhüllen des Körpers auf der anderen Seite ( siehe Titel: Christo fotografiert von Annie Leibovitz, 1981 ), beides Motive, denen wir tagtäglich begegnen, die zeigen, wie nah uns der Körper zeitlebens ist - gleich ob wir ihn so akzeptieren wie er ist, oder ihn mit allen zur Verfügung stehenden Mittel verändern.
Ein Gorssteil von Denken, Tun und Lassen, ein Grossteil der Aufmerksamkeit gehören nun mal dem fremden und dem eigenen Körper. Die Sorge um Schönheit, Fitness, Gesundheit des Körpers, das Schmücken oder die Zurschaustellung sind so alt wie die Welt. So gab es zwar unbekleidete aber niemals ungeschmückte Körper, wobei der Schmuck nicht unbedingt ein körperfremdes Teil aus Ästen, Textilien oder Edelmetall sein musste, sondern ebenso durch Bemalung oder Einritzen der Haut entstanden sein konnte. Das heisst aber nichts anderes, als dass der mensch sich schon immer über seinen Körper gesellschaftlich eingeordnet, hervorgehoben oder auch abgegrenzt hat.
Besonders für die Heranwachsenden bedeutet ihr Körper einen Raum, in den sie letzlich erst hineinwachsen müssen, einen ort, der ihre Identität bekundet, mit dem sie sich in Ãśbereinstimmung fühlen und wissen wollen. Diese Findung ist ein nicht immer leichter, mit Freude, Spass, auch Frust, Lust am Experimentieren und Provozieren verbundener Weg.
Auf diesem Weg werden alle kräftig unterstützt - und Medien sind hier die idealen Vermittler von Ideen. Die Werbebotschaften der "Szene - Coutuiers" wie Calvin Klein oder Tommy Hilfiger, der " Sport- und Jugendmode"-Giganten Nike oder Reebok, die Viedeoclips der Sender Viva oder MTV, die eine Weltanschauung darstellen, die Schönheits-, Mode-, und Partnertipps von Bravo Girl! und Bravo.de, die gesungenen oder getanzten Botschaften von Britney Spears, Sasha, den Spice Girls oder den Backstreet Boys - ohne alle und alles würde die Jugend ganz schön alleine da stehen.
Das Argument, das alles bloss des puren Kommerzes wegen geschieht, greift zu kurz. Sicherlich ist ie Zielgruppe der Jugendlichen leichter zu verführen, da sie sich noch auf dem Weg befindet. Die Kulturgeschichte hingegen zeigt, dass auch die Jahrhunderte vor der "Erfindung" der Jugend vom Wandel der Sitten, des Körpers, der Kleidung, der Musik, der Kunst, etc. geprägt waren. Hier verlässt die dem Jugendalter Entwachsenen zuweilen die ERinnerung, auch wenn die "Roaring Sixties" noch gar nicht so lange zurückliegen.
Natürlich ist das Erwachsenwerden nicht nur mit Fun verbunden und von Erfolg gekrönt. Den Vorbildern gerade im Hinblick auf das Körperliche, das Aussehen gleichzukommen ist mit Mühen verbunden, die nicht selten gesundheitsschädliche Ausmasse annehmen; gegen die Krankheit Bulimie ist das Piercen an sensiblen Körperstellen geradezu harmlos. Eng gekoppelt an die körperliche Befindlichkeit der Jugendlichen, an die Identität mit ihrem Körper ist auch ihr Verhältnis zu Beziehungen, zu Partnerschaften und zu Sexualität. Fragen viele Erwachsene zum Beispiel nach dem Sinn der täglichen TV-Soaps, so füllen gerade sie hier einige Lücken, geben zwar nicht Antworten auf die grundlegenden Fragen, befriedigen aber momentane Hilflosigkeit und helfen bei Unsicherheiten allein schon mit dem Wissen, dass Probleme wie die mit der Figur, mit den Haaren, mit den Schulnoten oder Liebekummer jeden aufsuchen können und es für (fast) alle eine Lösung gibt.
DAs Thema "Körperwelten" umfasst eben nicht nur den Körper als Hülle, sondern gleichwohl die Innenwelt, die sich als so komplex darstellt, dass wohl immer nur ein kleiner Abstecher in die eine oder andere Richtung der Betrachtung oder des Denkens unternommen werden kann.
Auch in diesem merz-Heft, für das Körper und Körperlichkeit unter dem Blickwinkel Medien, Politik, Sport und Biowissenschaften betrachtet werden.
Auch die auf den nächsten Seiten gezeigten Fotos können nur einen kleinen Teil unserer mittlerweile über"bilder"reichen Welt zeigen, einen ersten Eindruck über die Vielschichtigkeit von "Körper" und seinem Umfeld vermitteln.
 

Inhaltsverzeichnis

aktuell >>
> ARD / ZDF-Langzeitstudie liefert Trends aus drei Jahrzehnten
> Internet holt immer mehr auf
> JIM-Studie 2001 erschienen

thema >>
> Christoph Bieber: Der Körper als Kapitalanalge
> Kornelia Hahn: Körperrepräsentation in der Mediengesellschaft
> Swen Körner: Den Body checken

spektrum >>
> Beate Weyland: Eine noch junge Disziplin: Medienpädagogik in Italien
> Jürgen Hüther: Martin Keilhacker (1894 - 1989)
> Tilmann P. Gangloff: 25. Stuttgarter Tage der Medienpädagogik

medienreport >>
> Andreas Hedrich: Filme aus der Sektion Forum des jungen Films und Panorama
> Erwin Schaar: Das Abbild der Körper und die Reflexion der Wahrnehmung
> Gespräch mit Andreas Dresen
> Günther Anfang: ADDY Kids
> Günther Anfang: Inky - English for Cool Kids
> Günther Anfang: Lernen macht Spass - Auf dem Bauernhof
> Margret Köhler: Die Berlinale 2002: Neue Leitung, neue Konzeption
> Markus Achatz: Herausragende Filme beim Berlinale-Kinderfilmfest
> Sophie Anfang: Carolina die Kometenjägerin
> Sophie Anfang: Siebenstein 3 - Rudi fliegt ins All

publikationen >>
> Ben Bachmair: Abenteuer Fernsehen
> Diane Ehrensaft: Wenn Eltern zu sehr...Warum Knder alles bekommen, aber nicht das, was sie brauchen
> Gero Randow (Hg.): Wie viel Körper braucht der Mensch
> Hermann Ehmann: Voll konkret. Das neueste Lexikon der Jugendsprache
> Jürgen Barthelmes, Ekkehard Sander: Medienerfahrungen von Jugendlichen
> Jürgen Kleindienst (Hg.): Zeitgut
> Kay Weniger: Das grosse Personenlexikon des Films.
> Klaus Farin: generation-kick.de. Jugendsubkulturen heute
> Peter Moritz: Mediale Botschaften
> Petra Gerster, Christian Nürnberger: Der Erziehungsnotstand
> Roland Bader: Learning Communities im Internet
> Till Bastian: Kinder brauchen böse Eltern
> Uwe Sander, Ralf Vollbrecht (Hg.): Jugend im 20.Jahrhundert. Sichtweisen, Orientierung, Risiken
> Werner Faulstich (Hg.): Liebe 2000
> Wolfgang Zacharias: Kulturpädagogik

kolumne >>
> Rudolf
Maresch: "Cyborgs"