Medien im Deutschunterricht Beiträge zur Forschung

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Kultur des Zuschauens

Theaterdidaktik zwischen Textlektüre und Aufführungsrezeption

Band 6, München 2009, 400 Seiten
ISBN 978-3-86736-059-3
22,80 EUR
inkl. gesetzl. MWSt - ggfs. zzgl. Porto und Versand
 

Produktbeschreibung

Dass Unterricht zum Drama „aufführungsbezogen“ zu konzipieren sei, ist in der Deutschdidaktik seit langem Konsens. Doch dieser Forderung wurde in den letzten Jahrzehnten eher durch produktiven Umgang mit dem Drama Rechnung getragen als durch die Auseinandersetzung mit der Rezeption professioneller Theateraufführungen. Der vorliegende Band entwirft Grundzüge einer Theaterdidaktik, die die Rezeption von Aufführungen zum zentralen Gegenstand des Dramenunterrichts erhebt. Begründet wird dies aus zwei Perspektiven heraus: Zum einen verlangt die Beschäftigung mit dramatischen Texten schon medientheoretisch die Auseinandersetzung mit dem Theater, zum anderen verfügt insbesondere die Theaterrezeption über ein besonderes Potenzial im Kontext gelingender kultureller Sozialisation Jugendlicher. Unterstützt durch eine empirische Befragung von Lehrkräften mündet diese didaktische Grundlegung in eine Vorstellung konkreter methodischer Varianten der Aufführungsrezeption im Unterricht, die praktisch anhand eines Klassikers und eines zeitgenössischen Jugendtheaterstücks erprobt werden. Daneben bietet der Band einen Ãśberblick über die Dramendidaktik der letzten Jahrzehnte und stellt für die Deutschdidaktik theatertheoretisches Grundwissen z.B. zum Verhältnis von Text und Inszenierung oder zu Konzepten der Aufführungsanalyse bereit.

Die „Kultur des Zuschauens“ ist die umfassende Untersuchung einer „Theaterdidaktik zwischen Textlektüre und Aufführungsrezeption“ (mit gründlicher Aufarbeitung der Fachdiskussion, einem angenehm lesbaren Stil, klaren Begriffsbestimmungen aus der Literatur, einer hohen Kunst des Zitierens) - unbedingt wichtig für Deutschdidaktikerinnen und Fachlehrer Deutsch. Die Arbeit ist zugleich, vor allem in den Kapiteln 1, 3 und 5, eine fundierte Einführung in gegenwärtiges Theater, also durchaus interessant auch für allgemein an Theater interessierte Leser und insbesondere für Theaterpädagoginnen.
Prof. Dr. Hans Wolfgang Nickel (UdK Berlin) socialnet.de
 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1 Theater und Theatralität im Kontext kultureller Sozialisation

1.1 Kultur der Inszenierung

1.2 Theatralität als kulturelles Modell

1.3 Theater als Baustein gelingender kultureller Sozialisation
1.3.1 Theater als Ort der Wahrnehmungsschulung und als Reflexionsraum gesellschaftlicher Theatralität
1.3.2 Theater als Ort leiblicher Gegenwart

2 Dramendidaktische Positionen – ein historischer Ãśberblick

2.1 Dramen lesen
2.1.1 Die „pädagogische“ Ausrichtung
2.1.2 Der gattungstheoretische Ansatz
2.1.3 Die literaturhistorische Orientierung
2.1.4 Der semiotische Ansatz

2.2 Dramen inszenieren
2.2.1 Simulierte Dramaturgie und Inszenierung
2.2.2 Dramen aufführen
2.2.3 Szenisches Interpretieren
2.2.4 Lesen und Inszenieren, Schreiben und Inszenieren, Schreiben und Lesen

2.3 Dramen als Theateraufführungen rezipieren
2.3.1 Teilhabe am kulturellen Leben
2.3.1.1 Theaterbesuche
2.3.1.2 Aktualisierung des Lektüreangebots: zeitgenössische Theaterstücke im Unterricht
2.3.2 „Theaterkunde“
2.3.3 Professionelle Inszenierungen als Gegenstand des Unterrichts

2.4 Die aktuelle Unterrichtsrealität: Drama und Theater im Deutschunterricht der Sekundarstufen – Ergebnisse einer Lehrerbefragung
2.4.1 Organisation und Durchführung der Befragung
2.4.2 Inhaltliche Konzeption der Befragung und ihre Ergebnisse

3 Theatertheoretische Grundlagen

3.1 Einblick in ausgewählte theatertheoretische Ansätze
3.1.1 Interaktionstheorie
3.1.2 Theatersemiotik
3.1.3 Ästhetik des Performativen

3.2 Drama und Theater
3.2.1 Dramatische Text und Inszenierung – ein umstrittenes Verhältnis
3.2.2 Zum Begriff der Werktreue

3.3 Aufführungsanalyse
3.3.1 Probleme der Aufführungsanalyse
3.3.2 Theatertheoretische Konzepte zur Aufführungsanalyse
3.3.2.1 Die Korrespondenzanalyse (Guido HiÃź 1993)
3.3.2.2 Die semiotische und die phänomenologische Analyse
(Erika Fischer-Lichte 2001/2004)

4 Grundzüge einer Theaterdidaktik im Rahmen schulischen Dramenunterrichts

4.1 Rezeption von Aufführungen als zentraler Unterrichtsgegenstand

4.2 Methodische Varianten der Aufführungsrezeption im Unterricht

5 Anwendungsbeispiele: ein Klassiker, ein zeitgenössisches Jugendstück

5.1 Friedrich Schiller: Kabale und Liebe – eine Inszenierung der Studiobühne Bayreuth
5.1.1 Die Spielfassung des Textes
5.1.2 Das Bühnenkunstwerk

5.2 Igor Bauersima: norway.today – Inszenierungen des Staatstheaters Nürnberg und des Landestheaters Rudolstadt
5.2.1 Autor und Stück – eine didaktische Analyse
5.2.2 Ein Inszenierungsvergleich

6 Jugendtheater und Deutschunterricht

6.1 Die deutschdidaktische Diskussion des Jugendtheaters
6.1.1 Dramendidaktische Gesamtkonzeptionen der siebziger bis neunziger Jahre
6.1.2 Einzelbeiträge der achtziger und neunziger Jahre
6.1.3 Verstärkte Forschung seit etwa 2000
6.1.4 Fazit

6.2 Ergebnisse einer Lehrerbefragung zum Thema Jugendtheater und Deutschunterricht

Ausblick
Anhang
Literaturverzeichnis